Manche Flugzeuge entstehen nicht am Reißbrett, sondern aus einer visionären Idee. Nach der Einführung der Junkers A50 Junior erreichten uns zunehmend Anfragen von Kunden, die sich eine noch stärkere Annäherung an das historische Original wünschten: analoge Instrumente, ein klassischer Sternmotor und ein Flugerlebnis nah an der Luftfahrt der 1920er-Jahre.
Mit der A50 Heritage haben wir diesen Wunsch aufgegriffen und ein Flugzeug designt, das Geschichte nicht nur zitiert, sondern sie wieder erlebbar macht. Der charakteristische Sound des Sternmotors, die Optik und das unmittelbare Fluggefühl sprechen vor allem Puristen und Motorenthusiasten an. Gleichzeitig eröffnet uns die A50 Heritage die Möglichkeit, eine breitere Zielgruppe zu erreichen und neue Märkte zu erschließen.
Originaltreue als technische Herausforderung
Der Anspruch auf historische Korrektheit war von Beginn an zentral. Der Airframe und die verwendeten Materialien entsprechen in weiten Teilen dem historischen Vorbild von 1929. Dennoch konnten wir nicht auf vorhandenes Wissen zurückzugreifen, vielmehr mussten wir die Bauweise von vor rund 100 Jahren im Grunde neu erlernen.

Eine der größten technischen Herausforderungen lag im Antrieb. Während das Original mit einem Fünfzylinder-Sternmotor ausgestattet war, kommt bei der A50 Heritage heute ein Siebenzylinder-Sternmotor zum Einsatz. Das zusätzliche Gewicht dieses Motors unter der gesetzlichen Grenze von 600 Kilogramm zu halten, erforderte intensive Entwicklungsarbeit und konsequente Gewichtsoptimierung.
Besonders zeitaufwendig war die Sichtung und Auswertung der historischen Pläne sowie die Umsetzung der charakteristischen Wellblechstruktur. Für die rund 1.400 unterschiedlichen Bauteile existieren keine industriell verfügbaren Pressformen. Diese mussten eigens entwickelt und gefertigt werden – ein Prozess, der sowohl handwerkliche Präzision als auch tiefes Verständnis für die ursprüngliche Konstruktion verlangte.
Sicherheit, Zulassung und moderne Realität
So nah wir dem historischen Original auch kommen wollten: Ein Flugzeug, das heute zugelassen wird, muss heutigen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Gerade hier zeigt sich die Herausforderung, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden.
Als Ultraleichtflugzeug unterliegt die Junkers A50 Heritage anderen Vorgaben als ein klassisches Echo-Klasse-Flugzeug. Die Zulassung ist grundsätzlich weniger komplex, bringt aber klare Anforderungen mit sich. Dazu gehört unter anderem ein verpflichtendes Rettungssystem, das allein rund acht Kilogramm wiegt. Auch Bauteile wie Bremsen und Fahrwerk mussten modern ausgeführt werden, obwohl es diese in der ursprünglichen Form vor 100 Jahren noch nicht gab.

Vom Protoypen zur Serienfertigung
Der Weg zur Verkehrszulassung der Junkers A50 Heritage war ein mehrstufiger Prozess. Am Anfang stand eine klare Vorstellung davon, welches Flugzeug entstehen sollte – eines, das es in dieser Form am Markt noch nicht gibt. Auf Basis historischer Unterlagen wurden Skizzen erstellt, Bauteile überarbeitet und erste Modelle gebaut.

Es folgten Prototypen in Originalgröße, digitale Simulationen, Windkanaltests und zahlreiche Anpassungsschleifen. Jeder Entwicklungsschritt wurde dokumentiert und gemeinsam mit externen Partnern wie Kasaero begleitet. Flugtests bildeten schließlich den Abschluss dieser intensiven Phase.
Alle relevanten Nachweise und Unterlagen wurden beim Deutschen Ultraleichtflieger Verband (DULV) eingereicht. Mit der finalen Freigabe war der Weg frei für die Serienfertigung. Hätte es an dieser Stelle kein positives Ergebnis gegeben, hätten einzelne Tests erneut durchgeführt werden müssen – ein Prozess, der die hohe Bedeutung der Zulassung unterstreicht.
Ein neues Kapitel für Junkers Aircraft
Der Erstflug der Junkers A50 Heritage am 3. August 2024 in Aalen-Elchingen war ein besonderer Moment für das gesamte Team. Vor geladenen Gästen und Pressevertretern hob das Flugzeug erstmals ab – ein Augenblick, in dem die monatelange Entwicklungsarbeit sichtbar und hörbar wurde. Denn mit der Verkehrszulassung der A50 Heritage haben wir nicht nur ein weiteres Flugzeug in unser Portfolio aufgenommen. Strategisch eröffnet uns die Heritage den Zugang zu neuen Zielgruppen, insbesondere in den USA, wo das Interesse an klassischen Flugzeugen und authentischer Luftfahrtgeschichte besonders groß ist.

Die Junkers A50 Heritage steht für das, was uns antreibt: Ingenieurskunst, Respekt vor der Geschichte und der Anspruch, Vergangenes in die Zukunft zu tragen – nicht als Museumsstück, sondern als fliegende Realität.



