Hugo Junkers steht bis heute für Innovationsgeist, technische Weitsicht und eine besondere Verbindung aus Ingenieurskunst, Design und Pioniergeist. Im Interview spricht seine Urenkelin Charlotte Junkers darüber, wie dieses Erbe ihren persönlichen und unternehmerischen Alltag prägt – und warum der Name Junkers für sie Verpflichtung und Inspiration zugleich ist. Dabei geht es um historische Flugzeuge, moderne Markenführung, neue Produkte und die Frage, wie man Tradition lebendig hält, ohne den Blick nach vorn zu verlieren.
Mit dem Namen Junkers ist eine enorme historische Tragweite verbunden. Wie prägt dieses Erbe dich persönlich – und wie bewusst ist es Teil deines Alltags?
Der historische Hintergrund meiner Familie hat mich sicher mehr geprägt, als mir in der Zeit, in der das passiert ist, bewusst war. So waren wir z. B. immer eine sehr diskutierfreudige Familie. Am Tisch mit meinen Geschwistern und meinen Eltern wurde nie geschwiegen, genau wie von Hugo Junkers überliefert, der 12 Kinder hatte und ein extrem liberal denkender Mensch war.
Heute, insbesondere im geschäftlichen Alltag, ist die Geschichte von Hugo Junkers nicht nur im Hintergrund spürbar, weil sein Name der ist, der auf unseren Produkten steht. Hugo Junkers war seiner Zeit bei so vielen Themen voraus, bei welchen man sich noch heute an ihm orientieren kann: Qualität, Weitsicht, Teamgeist, Innovationskraft … Im Zweifel frage ich mich gerne mal, wie hätte er es gemacht? Was waren seine Prinzipien und können wir sie auf unsere heutige Situation übertragen?
Spürst du als Urenkelin von Hugo Junkers einen besonderen Anspruch oder Druck, diesem Namen gerecht zu werden – gerade in deiner Rolle als Geschäftsführerin?
Weniger als Urenkelin. Druck ist etwas, das es bei uns in der Familie nicht gegeben hat. Auch das mag auf Hugo Junkers und seine Art, Menschen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen, zurückgehen. Was aber die Marke Junkers im Allgemeinen angeht, verspüre ich durchaus eine große Verpflichtung. Ich finde, dass man mit diesem Namen nicht machen kann, was man will. Das Produkt muss zu 100 % zu den Grundsätzen von Hugo Junkers passen. Durch Qualität stets den höchsten Ansprüchen genügen und dadurch nachhaltig dem Menschen dienen.
Was macht für dich den besonderen Reiz am Fliegen mit Ultraleichtflugzeugen aus – gerade im Vergleich zu größeren Flugzeugklassen?
Was mich am UL-Fliegen besonders begeistert, ist die Kombination aus Freiheit, Flexibilität und der Möglichkeit, relativ unkompliziert in die Luft zu kommen.
Gerade im Vereinsleben spielen Ultraleichtflugzeuge dabei eine große Rolle. Sie sind im Betrieb oft günstiger, wodurch Fliegen für viele Menschen zugänglicher wird. Außerdem sind sie perfekt, wenn man allein oder vielleicht zu zweit unterwegs ist – man muss also nicht immer eine größere Maschine nutzen. Genau diese Mischung aus Praktikabilität und Flugerlebnis macht für mich den besonderen Reiz aus.
Die Junkers Leichtmetallflugzeuge waren ihrer Zeit technisch weit voraus. Was fasziniert dich persönlich am meisten an dieser Innovationsgeschichte?
Hugo Junkers hatte stets eine Vision. Das war das eine. Er konnte einfach weiterdenken als viele andere, indem er keine Schranken akzeptierte. Dazu kam aber vor allem, dass er es verstand, hochkompetente Menschen zu entdecken, zu fördern und die Umgebung so zu gestalten, dass sie die Höchstleistungen bringen konnten, die nötig waren, um eine derartige Innovationskraft umzusetzen.
Welche Rolle spielen unsere Flugzeuge heute konkret für die Markenidentität von Junkers im Allgemeinen?
Sie verkörpern den innersten Kern. Sie stehen für alles, für das Junkers stehen möchte: Fliegen in seiner schönsten Form, technisch am Zahn der Zeit und ästhetisch auch heute noch unerreicht. Es gibt kein schöneres Flugzeug in dieser Klasse und Junkers-Flugzeuge sind noch dazu technisch und qualitativ perfekt. Sie entstehen in einem grandiosen Team in einer beeindruckenden Manufaktur und haben das Potenzial, Menschen aller Art sowohl für Fliegerei als auch für Geschichte oder Design zu begeistern.
Wer begeistert sich heute aus deiner Sicht für die Marke Junkers Aircraft – und was zieht diese Menschen besonders an?
Das Faszinierende ist, dass sich unterschiedlichste Menschen für Junkers Flugzeuge begeistern. Piloten, die den Ultraleicht-Markt beobachten – klar. Die haben natürlich gleich aufgemerkt, da hier etwas völlig Einzigartiges in seiner Klasse aufgetaucht ist. Aber eben auch andere Leute, Menschen, die sich zuvor vielleicht gar nicht für die Fliegerei interessiert haben, sondern einfach ein Auge für Design und Technik haben und vielleicht auch das gewisse Interesse an der reichhaltigen Historie hinter Junkers-Flugzeugen, den Wegbereitern der zivilen Luftfahrt.
Junkers steht für eine sehr starke Tradition. Welche Märkte sind für dich aktuell besonders spannend – gerade im Hinblick auf das Interesse an deutscher Ingenieurskunst und Luftfahrtgeschichte?
Hier gibt es eigentlich kaum Ausnahmen. Wichtig ist, dass wir die richtige Geschichte erzählen. Nämlich, dass Junkers für zivilen Luftverkehr steht. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und Kampfflugzeuge entwickelt und gebaut wurden, war Hugo Junkers schon enteignet und gestorben. Hugo Junkers steht für deutsche Ingenieurskunst Anfang des 20. Jahrhunderts, in dem eine unwahrscheinliche Innovationskraft von Deutschland ausging. Natürlich nicht nur von Junkers, aber in der Luftfahrt war er dank seiner Metallflugzeuge lange beherrschend. Diese Geschichte ist für viele, egal wo auf der Welt, neu und interessant. Man kann sich leicht und schnell mit Junkers identifizieren, wenn man sich für eines der Themen, Fliegerei, Technik allgemein oder Design interessiert. Egal wo auf der Welt.
Welche gestalterischen oder konzeptionellen Elemente eurer Uhren greifen bewusst die Ästhetik oder Technik der historischen Flugzeuge auf?
Na ja, eine Uhr ist rund und hat zwei oder mehr Zeiger. Da liegen die Bordinstrumente sehr nah, die ja früher alle rund waren und perfekt ablesbar sein mussten. Bei unseren Fliegeruhren orientieren wir uns stark an diesem Grundsatz. Als alleinstehendes Gestaltungsmerkmal haben alle unsere silbernen und auch viele der bunten oder schwarzen Uhren ein Wellblechzifferblatt, was es noch unmittelbarer macht, Junkers und die Begeisterung fürs Fliegen am Handgelenk zu tragen.
Wie muss sich die Marke Junkers Aircraft deiner Ansicht nach positionieren, um innovativ zu bleiben, ohne aber ihre historische Identität zu verlieren?
Das ist kein Widerspruch, ganz im Gegenteil. Wenn die historische Identität bedeutet, nach den Grundsätzen von Hugo Junkers und seinem Unternehmen zu handeln, ist Innovation der einzige Weg. Hugo Junkers hat zeit seines Lebens an neuen Ideen gearbeitet. Die A60, als Weiterentwicklung von der A50, setzt das beispielsweise um. Die A60 ist ein Edel-Ultraleichtflugzeug, das sich von allen anderen Side-by-Side-ULs in Optik und Qualität abhebt. Nicht zuletzt hat es eine Scheibe, die man abmontieren und damit das Flugzeug zum Cabrio machen kann!
Du hast kürzlich einen Showroom in München eröffnet. Welche Rolle spielt so ein physischer Ort für die Inszenierung der Marke Junkers insgesamt?
Ich selbst fühle mich fast wie ein Digital Native. Zuhause habe ich definitiv zwei. Aber selbst die machen sich, wenn es etwas Besonderes zu entdecken und eventuell zu kaufen gibt, auf den Weg und möchten es erleben, möchten es anfassen, anprobieren. Wir möchten in unserem Showroom versuchen, das Junkers-Flair zu transportieren und es den Menschen ermöglichen, die Begeisterung für Junkers hautnah zu erleben.



